Wolfgang Lötzsch

*18. Dezember 1952 in Chemnitz

 

Der verhinderte Radstar

Wolfgang Lötzsch ist seit 2012 Mitglied in der Hall of Fame des deutschen Sports und steht stellvertretend für den Bereich Besondere Biografie durch die Teilung Deutschlands.
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Wolfgang Lötzsch, eines der größten Radsport-Talente der DDR, durfte nie bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften starten. Stattdessen drangsalierte ihn die Stasi.
 
Im November 1971 berief man den dreifachen Spartakiadesieger und vierfachen DDR-Juniorenmeister in den Kader für die Friedensfahrt 1972 und die Olympischen Spiele in München, aufgrund politischer Bedenken wurde Wolfgang Lötzsch jedoch wenig später aus dem Sportclub Karl-Marx-Stadt „ausdelegiert“. Gründe waren Kontakte zu Westverwandten – ein Cousin hatte sich 1964 in den Westen abgesetzt –, die Weigerung, in die SED einzutreten und Fluchtgerüchte. Er wurde aus dem staatlichen Fördersystem ausgeschlossen, durfte nur noch in einer Betriebssportgemeinschaft (BSG) starten – die Rückstufung zum Hobbysportler.
 
Lötzsch trainierte auf eigene Faust weiter und hatte Erfolge, 1973 und 1974 gewann er die DDR-Meisterschaft in der Einerverfolgung. 1976 bezwang er im Ausscheidungsrennen für die Olympischen Spiele die gesamte DDR-Spitze. Daraufhin schuf man eine „Lex Lötzsch“: BSG-Fahrer durften gegen Clubfahrer nicht mehr starten. Lötzsch resignierte, stellte seinen ersten von sechs Ausreiseanträgen, woraufhin er seinen Studienplatz verlor. In der BRD-Vertretung in Berlin ersuchte er um Hilfe, nahm Kontakt zu West-Medien auf. Die Stasi bekam Wind davon. Wie Lötzsch nach der Wende erfuhr, umfasste seine Akte mehr als tausend Seiten. 1976 wurde er wegen „Staatsverleumdung“ zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt und bis 1979 gesperrt.
 
Doch all die Jahre hatte er weiter trainiert und erreichte auch Siege, etwa 1983 beim Klassiker Rund um Berlin. 1983 trat er doch noch der SED bei („ich wollte einfach meine Ruhe haben und Rad fahren. Ärger hatte ich all die Jahre genug“). Ab Dezember 1989 startete Lötzsch für den RC Hannover, gewann 1990 im 100-Kilometer-Straßenvierer die Deutsche Meisterschaft. Im Sommer 1995 beendete er mit 42 Jahren seine Karriere und arbeitet seitdem als Mechaniker für Profiteams. Am Tag der Einheit 1995 erhielt er für seine Zivilcourage das Bundesverdienstkreuz. Zehn Jahre später schrieb Die Zeit: „Es gibt Wissende, die halten Wolfgang Lötzsch für den größten deutschen Renner aller Zeiten, noch vor Rudi Altig, Olaf Ludwig, Täve Schur“. Im Juli 2008 kam der Film „Sportsfreund Lötzsch“ in die deutschen Kinos, der das Leben des Radsportlers in der DDR thematisiert.
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