Henrich Misersky ist seit 2012 Mitglied in der Hall of Fame des deutschen Sports und steht stellvertretend für den Bereich Besondere Biografie im Kampf gegen Doping.
Die Geschichte von Vater und Tochter ist miteinander verbunden: Als Ski-Langlauftrainer beim SC Motor Zella-Mehlis sollte Henrich Misersky, allgemein Henner genannt, seinen Athletinnen, darunter Tochter Antje, im Jahr 1985 Dopingmittel verabreichen. Er weigerte sich und informierte seine Sportlerinnen über die Dopingpläne und die damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren. Daraufhin wurde er fristlos entlassen, die Tochter beendete ihre Karriere im DDR-Ski-Langlauf – und feierte nach der Wende 1992 im Biathlon ein von olympischem Gold gekröntes Comeback.
In Thüringen hatte Henner Misersky die wohl beste Nachwuchsgruppe von Skilangläuferinnen der damaligen DDR aufgebaut, darunter seine Tochter Antje, die 1985 WM-Bronze mit der DDR-Staffel gewann. Weil er sich 1985 weigerte, sich auf das neue Skilanglauf-Verbandsprogramm einzuschwören, welches Minderjährigen-Doping beinhaltete, wurde der früher sehr erfolgreiche Langstreckenläufer fristlos entlassen.
Wegen der folgenden politischen Nötigungen – unter anderem sollte sie den Eltern nicht mehr vom Training erzählen – und des angekündigten Einsatzes von Dopingmitteln trat Antje Misersky aus der Kinder- und Jugendsportschule aus. Erst 1989 setzte sie ihr Training unter veränderten politischen Vorzeichen fort und konzentrierte sich auf den nun auch für Frauen olympisch gewordenen Biathlon. Bei den Winterspielen 1992 gewann sie Gold über 15 km und sagte danach: „Der Sieg gehört meinem Vater“. Darüber hinaus holte sie in Albertville Silber über 7,5 km und mit der Staffel. 1994 in Lillehammer folgte Olympia-Silber mit der Staffel, 1995 in Antholz WM-Gold mit der Staffel.
Antje Harvey bewies, dass man Doping widerstehen und trotzdem die Weltspitze erreichen kann. Die konsequente Haltung ihres Vaters, der bewusst berufliche und persönliche Nachteile in Kauf genommen hatte, war ihr dafür Vorbild und Motivation. Nach der Wende war Henrich Misersky Vorreiter für die Aufarbeitung des DDR-Dopings, so wie Brigitte Berendonk in Ost und West.