Fritz Fischer

Biathlon

  • Name Fritz Fischer
  • Sportart Biathlon
  • Geboren am 22. September 1956 in Kelheim
  • Aufnahme Hall of Fame 2025
  • Rubrik 90er Jahre bis heute

Kurzportrait

Olympiasieger, Weltmeister, Erfolgstrainer und Kultfigur – Fritz Fischer zählt zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Biathlons.

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Von 1980 bis 1993 gehörte Fischer zur deutschen Biathlon-Nationalmannschaft und feierte zahlreiche Erfolge. Höhepunkt war die Goldmedaille mit der Staffel bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville, wo er als Schlussläufer mit der deutschen Fahne als Zeichen der Wiedervereinigung über die Ziellinie lief. Zuvor hatte er bei den Spielen 1988 in Calgary und 1984 in Sarajevo mit der Staffel Silber und Bronze gewonnen. Zudem wurde er zweimal Weltmeister, holte zehn Weltcupsiege und sicherte sich in der Saison 1987/1988 den Gesamtweltcup. Insgesamt nahm er an sieben Olympischen Spielen teil, davon viermal als Sportler und dreimal als Trainer.

Nach seiner aktiven Laufbahn widmete sich Fischer der Nachwuchsförderung und Trainerarbeit. Nach einer Ausbildung an der Trainerakademie Köln übernahm er zunächst Aufgaben als Stützpunkttrainer in Ruhpolding, später als Bundestrainer der Herren-Nationalmannschaft. Mit dieser gewann er zahlreiche Medaillen, darunter allein bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin viermal Gold und einmal Bronze. Seine Anfeuerungsrufe vom Loipenrand waren gleichermaßen unverkennbar wie legendär. Nach der Olympiade in Sotschi endete 2014 seine aktive Zeit als Nationaltrainer, anschließend wurde er als Talentscout für den Deutschen Skiverband aktiv.

Neben dem Spitzensport engagiert sich Fritz Fischer bis heute im gesellschaftlichen Bereich: Mit seinem „Biathloncamp“ in Ruhpolding begeistert er seit 1996 vor allem Kinder und Jugendliche für den Sport und vermittelt Werte wie Fairness, Teamgeist und Disziplin. Im Rahmen dieser Arbeit entdeckte er unter anderem 2009 die spätere Weltklasse-Biathletin Franziska Preuß. Für sein Engagement erhielt Fischer den Bayerischen Sportpreis als „Botschafter des bayerischen Sports“ sowie den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten für sein Lebenswerk. Humorvoll, bodenständig und leidenschaftlich ist Fischer bis heute ein Vorbild gleichermaßen für Athletinnen und Athleten sowie Fans.

Fritz Fischer

Biathlon

Größte Erfolge

Größte Erfolge als Athlet: 

  • Olympia-Gold 1992
  • Olympia-Silber 1988
  • Olympia-Bronze 1984
  • Zweimaliger Weltmeister
  • Gesamtweltcupsieger 1987/1988 

 

Größte Erfolge als Trainer: 

  • 5 x Olympia-Gold
  • 5 x WM-Gold

Auszeichnungen (Auswahl):

  • Goldene Sportpyramide (2025)
  • Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten für sein Lebenswerk (2014)
  • Auszeichnung für sein Lebenswerk / Ehrung der besten Sportler Niederbayerns (2013)
  • Bayerischer Sportpreis in der Kategorie „Botschafter des bayerischen Sports“ (2006)
  • Fahnenträger der bundesdeutschen Olympia-Mannschaft bei der Schlussfeier der Olympischen Spiele in Calgary (1988) 

Biathlon im Herzen

Wenn Fritz Fischer zurückdenkt an den Biathleten Fritz Fischer, dann hat er noch immer diesen Moment mit der Fahne im Kopf. Er war bei den Olympischen Winterspielen in Albertville 1992 Schlussläufer der deutschen Staffel, als Führender kam er zum letzten Mal an den Schießstand, traf fünfmal und hatte genügend Vorsprung, um auf der Zielgeraden die deutsche Fahne – gereicht von Uschi Disl – entgegenzunehmen.

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„Es war schon etwas Besonderes, erleben zu dürfen, symbolisch für die Wiedervereinigung mit der Fahne ins Ziel zu laufen und als erste gesamtdeutsche Staffel Olympiasieger zu werden“, sagt er. Noch immer wird Fritz Fischer ein bisschen sentimental, wenn er davon erzählt.

35 war er damals, aber mindestens so nervös wie bei seinen ersten Olympischen Spielen zwölf Jahre zuvor. „Ich hatte“, gibt Fischer zu,  „die Hosen voll“, Angst, die Erwartungen nicht erfüllen zu können. Frank-Peter Roetsch hatte ihm den Platz in der Staffel überlassen. „Er hat gesagt, der Fritz soll laufen, der ist erfahren genug.“ Aber am Start hätte der Routinier am liebsten „ein Loch gegraben“, um darin zu verschwinden. Auf der Runde führte er dann Selbstgespräche, „um mich noch einmal so richtig zu pushen“. Mit Erfolg.

Auf diesen emotionalen Höhepunkt lässt sich Fischers Karriere aber nicht reduzieren, wenngleich die Goldmedaille sein größter sportlicher Erfolg war. Er hat Biathlon gelebt, lebt es immer noch – nach 20 Jahren als Athlet und noch einmal so lange als Trainer. 2014 war dann Schluss. „Irgendwann muss einmal Ruhe sein“, sagt er.

Aber ganz loslassen kann er auch jetzt, mit fast 70, noch nicht. Er veranstaltet regelmäßig Camps. Da geht es aber nicht mehr wie früher in erster Linie darum, Talente zu entdecken und auszubilden, sondern er will Firmen und Privatpersonen den Sport einfach näherbringen. Seinen Sport. „Ich habe Biathlon“, sagte er einmal, „immer im Herzen.“

Dabei entdeckte er diese Liebe eher spät – und zufällig. Aufgewachsen als eines von sechs Kindern eines Betriebsmaurers in Kelheim an der Donau hatte er erst einmal ein anderes Hobby. Opa und Vater nahmen ihn früh mit zum Angeln. Mit 17 Jahren durfte er bei deutschen Fischer-Meisterschaften in Berlin mitmachen und gewann den Titel.

Kurz darauf ging es zur Bundeswehr. Zur Ausbildung dort gehörte ein 5000-Meter-Geländelauf. Der junge Fritz Fischer lief allen davon, „ohne Training“, wie er sagt. Aber er war körperlich fit, ging schon damals gerne in die Berge. Als Sechzehnjähriger bestieg der Niederbayer den Mont Blanc. „Ich habe damals schon gemerkt, dass Ausdauer und die Höhe für mich kein Problem darstellen.“ Er habe, gibt Fischer zu, einfach „ein gewisses Talent für den Ausdauersport mitbekommen“.

Nach seinem Sieg im Geländelauf wurde er zu den Gebirgsjägern nach Bad Reichenhall versetzt. Erst mit 18 Jahren stand Fischer zum ersten Mal auf Langlaufskiern. Er lernte schnell, gehörte in der Loipe bald zu den Schnellsten. Das Schießen hat er bei Bundeswehr zwangsläufig geübt, also probierte er sich im Biathlon. Fünf Jahre später nahm er bereits zum ersten Mal an Olympischen Spielen teil.

Damals, 1980 in Lake Placid, war Biathlon noch eine Randsportart, dominiert von den Athleten aus der DDR und der Sowjetunion. Fischer wurde im Sprint 27., der Staffel, die Bronze gewann, gehörte er allerdings nicht an. Vier Jahre später durfte er die dann mitlaufen, und die Bundesrepublik wurde wie in Lake Placid Dritter.

1988 war sein bis dahin bestes Jahr. Er gewann den Gesamtweltcup und mit der Staffel bei den Winterspielen in Calgary Silber. Dass Fischer als Medaillenfavorit in Einzel-Wettbewerben eine Medaille verpasste, obwohl er, wie er selbst sagte, „in der Form meines Lebens“ war, lag an einer hartnäckigen Stirnhöhlenvereiterung, die er sich auf dem Flug nach Kanada eingehandelt hatte. Ein Jahr später gewann er bei der WM in Feistritz seine einzige Einzel-Medaille, Bronze über die 20 Kilometer.

Nach der Wiedervereinigung schaffte er es als einziger westdeutscher Biathlet in den gesamtdeutschen Kader. „Gnadenlos“ wurde aussortiert, und „die jungen Wilden aus der DDR waren einfach einen Tick besser als wir“, erinnert sich Fischer. In der neuen Mannschaft war er mit über 30 der Älteste und deshalb schnell so etwas wie der väterliche Freund. „Ich habe immer versucht, einen gewissen Spaß zu vermitteln.“

Nicht immer alles bierernst zu nehmen, aber trotzdem fokussiert zu sein auf das Wesentliche, das war Fischer auch später als Trainer wichtig. „Wenn dir die Arbeit keinen Spaß macht, bist du auch nicht erfolgreich.“ Als die von ihm betreuten Athleten bei der Junioren-WM 2001 fünf Titel gewannen, drehte er in kurzer Unterhose und nur mit einer Startnummer bekleidet bei zweistelligen Minusgraden eine Runde in der Langlauf-Loipe. „Das hatte ich ihnen versprochen, wenn es Gold gibt.“

Der Spaß ist Fischer dann aber doch einmal kurz vergangen, am Ende seiner aktiven Karriere. Nachdem er bei der WM 1993 im bulgarischen Borovetz im Mannschaftswettbewerb Gold gewonnen hatte, wurde er anschließend nicht für die Staffel nominiert. „Ich habe da schon gemerkt, dass ich nicht mehr so erwünscht bin.“ Aufhören wollte er aber dann doch noch nicht, sondern noch einmal zu den Olympischen Spielen, die in Lillehammer 1994 wären seine fünften gewesen. Vor dem Olympia-Winter überlegte es sich Fischer dann anders: Er beendete seine Karriere. „Ich hatte alles erreicht und die Jungen waren einfach besser.“

Der damalige Geschäftsführer des Deutschen Skiverbandes, Helmut Weinbuch, bot Fischer die Stelle als Stützpunkttrainer in Ruhpolding an. Er sollte sich vor allem um den Nachwuchs kümmern – und tat dies mit Erfolg. Fischer entwickelte zunächst Ricco Groß, anschließend Michael Greis und Andreas Birnbacher zu Medaillengewinnern. 1999 wurde er zum Junioren-Trainer befördert und drei Jahre später dann zum Disziplintrainer bei der Männer-Nationalmannschaft.

Nachdem sein Zögling Michael Greis bei den Winterspielen in Turin 2006 dreimal Gold geholt hatte, nahm sich Fischer eine Auszeit. Es war eine starke Entzündung im Zwölffingerdarm entdeckt worden. Die Diagnose weckte keine guten Erinnerungen. „Mein Vater ist mit 53 an Krebs gestorben. Ich wusste, ich kann nicht so weitermachen, so emotional, alles aus dem Bauch heraus.“

Er kurierte sich aus, arbeitete anschließend wieder am Stützpunkt in Ruhpolding und kehrte nach 2010 noch einmal zurück zur Nationalmannschaft. Bis 2014 bildete er nun zusammen mit dem früheren Teamkollegen Mark Kirchner ein erfolgreiches und harmonisches Trainer-Duo. 

Sotschi war für Fischer ein ganz besonderes Erlebnis, nicht nur weil es seine letzten Winterspiele waren, sondern weil sein Sohn Thomas dabei war. Der startete 2014 als Skicrosser bei Olympia. Als Vater, sagt er, sei er darauf sehr stolz gewesen. Allerdings hatte er weder Thomas noch die anderen beiden Kinder jemals zum Leistungssport gedrängt. Daniel Fischer war lange aktiv im Alpin-Kader und gehört mittlerweile zum Trainerteam der deutschen Abfahrts-Mannschaft. Der Jüngste, Fritzi, hat das Biathlon-Talent des Vaters geerbt, aber irgendwann die Lust verloren. Für den gebürtigen Niederbayern Fritz Fischer ist längst das oberbayerische Ruhpolding zur Heimat geworden. Dort lebt er mit seiner Frau Hanni.

Elisabeth Schlammerl, im Februar 2026

 

Literatur zu Fritz Fischer:

Taufig Khalil: Bock auf Biathlon. Edel Sports, Hamburg 2025


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